100 Tage im Amt - Bastian Atzger

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100 Tage im Amt

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In der Politik ist es üblich, nach 100 Tagen im Amt erste Bilanzen zu ziehen. Aufgrund des Kommunal- und Europawahlkampfes sowie der Übernahme der Geschäftsstelle, haben wir dem neuen Kreisgeschäftsführer der CDU Stuttgart einen Extra-Monat zugestanden.

Welchen Eindruck haben sie von Stuttgart und von der Kreis-CDU?

Ich freue mich sehr, nach zehn Jahren beruflich bedingter „Abstinenz“ im Allgäu wieder zurück in meiner alten Heimat zu sein, wobei ich ja aufgrund von freundschaftlichen und familiären Bindungen immer den Kontakt nach Stuttgart gehalten habe und somit ja nie wirklich weg war.
Jetzt bin ich dabei, die Vorteile der Stadt wieder neu für mich zu entdecken. Die CDU Stuttgart habe ich als professionelle Einheit vorgefunden, die weiß, was in der Vergangenheit richtig und was falsch gelaufen ist und die gewillt ist, nun alles daran zu setzen, um bald wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Hierzu will ich meinen Beitrag leisten.

Was war die größte Herausforderung für Sie?

Da gab es einige, denn eine politische Partei unterscheidet sich eben doch in manchen Funktionsweisen von einem mittelständischen Unternehmen. Die größte Herausforderung war sicherlich, sich einerseits mit der neuen Umgebung vertraut zu machen und gleichzeitig in die Organisation des Wahlkampfes einzusteigen.
Ach und ja, die Mitgliederdatenbank ist ein Stück Software, das mir schon manche gute Stimmung geraubt hat. Aber ansonsten habe ich mich auch Dank der Kollegen in der Kreisgeschäftsstelle schnell eingewöhnt. Ja, ich habe in der Tat das Gefühl, wir haben recht schnell zueinander gefunden und können somit die kommenden Aufgaben optimistisch angehen.

Welchen Führungsstil pflegen sie?

Ich versuche immer meine Arbeitsweise zu optimieren, indem ich Vergleiche anstelle. Dieses „Benchmarking“ setze ich bei mir persönlich, aber auch bei der Parteiarbeit im Allgemeinen an. Ich sehe mich als Teamleader, wie ein Spielmacher im Fußball, der delegiert und kommuniziert. Und bislang, so glaube ich, haben wir die an die Kreisgeschäftsstelle gestellten Aufgaben als Team allesamt gut gelöst.

Bleiben wir beim Fußball-Bild: Einen Trainer fragt man zu Beginn nach Zielen, Taktiken und Verstärkungen. Welche Themen möchten Sie in den ersten zwölf Monaten Ihrer Amtszeit angehen?

Neben dem Tagesgeschäft möchte ich persönlich drei Felder angehen:
Zunächst möchte ich die Attraktivität der CDU und der Parteiarbeit steigern. Hierzu stehe ich mit Mitgliedern des Kreisvorstands, den Vereinigungen und Arbeitsgruppen in Verbindung. Es sollte hierbei keine Insellösungen geben, sondern einen Gesamtansatz, der unsere Mitglieder motiviert dabeizubleiben und auch nach außen den Eindruck vermittelt, dass man bei der CDU Stuttgart einfach dabei sein muss, weil man ansonsten etwas verpassen könnte.
Zweiter wichtiger Punkt ist die Optimierung der Kommunikationswege. Wenn ich sehe wie und zu welchen Kosten wir kommunizieren, wird mir schwindelig. Wir müssen hier vermehrt auf elektronische Wege setzen, auch wenn der Weg dorthin ein längerer wird. Hier gilt es jedoch die Mitglieder behutsam mitzunehmen, damit dies gelingt, denn gehegte Gewohnheiten gibt man eben nur ungern auf.
Drittens, damit zusammenhängend, bin ich für eine offenere vertikale Kommunikationskultur. Wenn ich aktuell in die Bezirksgruppen gehe, pflege ich immer zu sagen: Ich bin ein Mensch, der wie alle gerne Lob hört. Aber genauso gern konstruktive Kritik. Die ist meist ehrlicher als das Lob und gibt mir und uns die Möglichkeit zur Verbesserung. Daher ist es mein Ziel, Mitgliedern mehr Möglichkeiten und Anreize zu geben, sich mit „ihrer CDU“ in Verbindung zu setzen. Natürlich kann man nicht gleich jede Idee in die Tat umsetzen, aber man erhält ein besseres Gespür dafür, welche Themen die Menschen aktuell sachlich und emotional bewegen.

Wo sehen sie sich politisch in der CDU?

Ich möchte die Politik vertreten, die für die Bürger in unserer Stadt und unserem Land die besten Ergebnisse bringt. Ich bin, obwohl studierter Betriebswirt, gegen den „Marketing-Ansatz“ in der Politik, also eine Meinungsfindung auf Basis von „Kundenwünschen“, in unserem Fall Meinungsumfragen. Politiker sollten sich über Themen informieren, sich eine eigene Meinung bilden, die Bürger bei dieser Willensbildung mitnehmen und diese Richtung auch gegen Widerstände verteidigen. Der Wähler sucht Kompetenz und Verlässlichkeit und da gehört es eben dazu, dass man auch einmal unangenehme aber notwendige Themen kommuniziert und nicht das Fähnchen in den Wind hängt und hofft, dieser möge einen dann schon in die Walhalla pusten.
Ich lasse mich ungern in feste Formen pressen. Ein bestehendes ethisch-moralisches Wertegerüst ist für mich wichtig, ebenso aber auch, dass jeder Mensch die maximal mögliche Freiheit genießen kann, ohne sich dafür vor anderen rechtfertigen zu müssen. Ich glaube somit an das Ideal einer Mischung aus Sicherheit und Freiheit, ohne jedoch bei beidem ins Extreme zu verfallen.

Sie sind neben Ihrer Funktion als Kreisgeschäftsführer weiterhin in der Mittelstandsvereinigung der CDU / CSU (MIT) aktiv und Mitglied der Europa-Union. Welche Gründe liegen hinter diesem Engagement?

Mein Wertekompass basiert auf den Werten, die mir meine Familie vermittelt hat, die bis zu meinen Urgroßeltern zurück Mittelständler waren. Politisch besonders prägend für mich war mein Großvater, Gründungsmitglied der CDU Welzheim (Rems-Murr-Kreis Anm. d. Red.), der auf Basis seiner Kriegserfahrungen immer für Toleranz, Freiheit und ein gemeinsames Europa plädiert hat. Ich habe viele Freunde im europäischen Ausland und war selbst unternehmerisch tätig, warum sollte ich also von diesem Gedankengut, das übrigens ja auch die zentrale Erfolgsformel Baden-Württembergs darstellt, nur einen Millimeter abrücken?
Aber es ist für mich gleich, ob ich nun den Pin der CDU, den der MIT oder der Europa-Union am Revers trage, mein Ziel ist es immer, dass die Zukunft unseres Landes nicht ohne den Mittelstand und die politischen Geschicke nicht gegen die CDU gestaltet werden können.


(Interview CDU Intern der CDU Stuttgart, Ausgabe Juli / August 2014)
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